Die Ära der Ikarus-Busse

Ikarus - Vom Aufbauhelfer zur Legende

Ikarus 280.03 (ehem. DVB-ServiceMobil - 2009): Salondampfer und ...
Ikarus 280.02 (2001): ... Linienschiff

Ungarische Omnibusse prägten eine Ära des Busverkehrs in Ostdeutschland – In Dresden begann diese Epoche vor 60 Jahren

 

Viele werden sich noch an die Ikarus-Gelenkbusse und die zweiachsigen Varianten der 200er Typenreihe aus den 1970er/80er Jahren erinnern: Groß, hoch und deshalb für manche auch etwas unbequem. Aber man kannte damals keine Alternative. Schließlich war es wichtig, mitzukommen und dies vorzugsweise auch noch pünktlich.

 

In den Jahrzehnten vor der politischen Wende in der DDR fuhren auf den Dresdner Buslinien ausschließlich Ikarus-Busse. Grund dafür war die seit 1956 bestehen­de Spezialisierung zwischen den Staaten im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Danach belieferte Ungarn diese Länder mit Linien- und Reisebussen der Marke Ikarus.

 

Für die Wiedereröffnung vieler Dresdner Buslinien nach dem 2. Welt­­krieg standen aus Vorkriegs­zeiten nur wenige Fahrzeuge zur Verfügung und der DDR-Hersteller IFA konnte den schnell ansteigenden Bedarf jedoch nicht mehr decken.

Ikarus 60 (1954): Ungarischer Aufbauhelfer

Im Jahr 1954 nahm der VEB (K) Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden mit der Betriebsnummer 36 seinen ersten Ikarus-Bus vom Typ 60 (Stadtlinien-Variante) in Betrieb. Vier weitere vom Typ 601 (Überlandlinien-Variante) folgten noch im gleichen Jahr. Nach einge­hender Erprobung dieser Busse aus Ungarn wurden im Jahr 1955 vom Typ 60 zwanzig Fahrzeuge und 1956 fünf weitere in analoger Ausführung geliefert.   » mehr

Ikarus 30 (1956): Gebrauchter für Vorortlinien

Schließlich wurden im gleichen Jahr noch fünf gebrauchte Busse des Typs 30 aus dem Baujahr 1952 beschafft. Die Bauart entsprach dem damaligen Zeitgeschmack. Die Karosserie war eine selbsttragende Einheit ohne Fahrgestell. Wegen der Stehraumhöhe von nur knapp 1,90 und der geringen Platzanzahl kamen diese Busse nur auf Vorortlinien zum Einsatz und wurden schon 1963 aus dem Personenverkehr heraus genommen.

Ikarus 66 (1959): Völlig neuartige Konstruktion

Die ab 1959 erworbenen Ikarus 66 waren mit ihrer selbsttragenden Stromlinien-Karosserie völlig neuartig konstruiert. Der Motor befand sich im Heck. Die damals als schnittig geltenden Stadtbusse hatten drei Falttüren. Drei dieser Wagen besaßen als Überlandlinienbus nur Vorder- und Hintertür, hatten dafür aber mehr Sitzplätze. Die Einsatzzeit betrug durchschnittlich 11 Jahre. Von der Reisebus-Variante Ikarus 55 waren neun Fahrzeuge ebenfalls im Bestand.

Ikarus 630 (1964): Mit Kofferanhänger zum Flieger

Die drei im Jahr 1964 beschafften Wagen vom Typ 630 waren zunächst für den Zubringerverkehr zwischen Hauptbahnhof und Flughafen – die spätere Linie 99 – gedacht. Gelegentlich fuhren diese Busse auch mit den Kofferanhängern oder wurden im Bereich Sonderverkehr eingesetzt. Schon 1975 wurden die drei Wagen an kleinere Unternehmen verkauft, die in der DDR mit so genannter "halbstaatlicher Beteiligung" betrieben wurden.

Ikarus 180 (1968): Dresdner Gelenkbus-Premiere

Die Busse des Typs 180 waren die ersten Gelenkbusse im Dresdner Busbetrieb. Eine weitere Neuerung war die Unterfluranordnung des Motors. Vier Falttüren gewährleisteten einen schnellen Fahrgastwechsel. Der Einsatz erfolgte anfänglich auf der Linie 85, ergänzte wenig später die Obusse und dehnte sich bald auf alle stark belasteten Linien aus. Mit der Auslieferung von Gelenkbussen des Types IKARUS 280 ab 1975 wurden diese Wagen bis 1986 ausgesondert. Die analogen Zweiachser vom Typ 556 fuhren von 1971 bis 1986 im Dresdner Netz.

Ikarus 260.02 (1973): Auch Gebrauchte aus Berlin

Im Jahr 1973 wurden die ersten beiden Stadtlinienbusse der 200er Reihe an die Dresdner Verkehrsbetriebe ausgeliefert. Bis 1989 kamen weitere 105 Busse des Typs 260.02 dazu. Davon mussten einige Wagen im gebrauchten Zustand vom VE Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe übernommen werden. Druch den Einsatz neuer Gelenkwagen des Typ 280 wurden diese Fahrzeuge von den stärker belasteten Linien verdrängt.

Ikarus 417.14 A (1999): Kurze Dresdner Episode

Im Jahr 1999 wurde der Dresdner Verkehrsbetriebe AG ein Ikarus 417.14 A zum Testen bereitgestellt. Das Fahrzeug in moderner Niederflurbauweise sollte die Tradition der Ikarus-Busse im Dresdner Linienverkehr fortführen. Nach dem Test, der eine Reihe technischer Mängel aufdeckte, wurde dieses Fahrzeug für den Einsatz im Linienverkehr nicht zugelassen.

Damit war bereits zwei Jahre vor der Verabschiedung des letzten 280ers das Ende der Ära Ikarus im DVB-Linienverkehr besiegelt.